Alten Hund aus dem Tierheim adoptieren

Warum viel öfter alte Hunde aus dem Tierheim adoptiert werden sollten

Ich hatte es schon in meinem vorherigen Artikel angedeutet, dass es für mich damals auch keine super leichte Entscheidung war, einen schon etwas älteren Hund aus dem Tierheim zu adoptieren.

Heute ärgere ich mich schon sehr über meine Voreingenommenheit, wenn ich über die damalige Situation nachdenke. Und ich werde sehr nachdenklich, wenn ich bedenke, was ich alles verpasst, nie erlebt hätte, wäre meine „alte“ Hündin nicht die letzten 8 Jahre bei mir gewesen.

Umso mehr setze ich mich in Gesprächen mit anderen dafür ein, dass sie auch alten Hunden im Tierheim eine Chance geben sollten. Dass ein alter Hund eben nicht immer bedeutet, dass man nur beim Tierarzt hockt, um mögliche Problemchen in den Griff zu bekommen und dass es auch nicht immer bedeutet, dass man nur eine sehr kurze Zeit miteinander hat. Und selbst wenn dem so ist, dass diese Zeit wunderbar, intensiv und für beide Seiten wohltuend ist.

So richtig habe ich mich gedanklich wieder mit dem Thema befasst, als ich vor kurzem auf dieses Video bei Facebook stieß.

Mich hat das sehr berührt, weil es genau das zeigt, was die Meisten von uns nicht sehen, wenn man durch das Tierheim geht und sich einen Hund aussuchen möchte. Es zeigt die Zeit und den Schmerz, den vor allem ältere Hunde durchleben, wenn sie gerade von ihrer Familie (verzeiht den Ausdruck) ins Tierheim abgeschoben wurden. Ja, ich weiß, es gibt durchaus Fälle und Situationen wie bspw. schlimme Krankheiten, da ist es einfach nicht anders möglich. Ich muss aber gestehen, dass ich einen persönlichen Groll dagegen hege, dass man Tiere im Tierheim abgibt, weil es oft die einfachste Entscheidung und Lösung für die Zweibeiner ist. Ungeachtet dessen, dass ein Hund mehr ist als Fell und vier Beine, mit denen man Gassi geht.

Was spricht gegen einen alten Hund aus dem Tierheim?

Heute denke ich, dass es keinen einzigen Grund gibt, der dagegen spricht, einen alten Hund aus dem Tierheim zu adoptieren. Hätte man mich das vor 8 Jahren gefragt, hätte ich durchaus einige Gründe gefunden. In der Zeit mit meiner Hündin habe ich nun aber gemerkt, dass jeder einzelne Grund Quatsch war.

Es beginnt damit, dass die Altersangaben meiner Hündin schon nicht stimmten. Unterlagen und Impfausweis zu meiner Hündin gingen in der Zeit bei 2 Vorbesitzern und in 2 Tierheimen irgendwie verloren. Also schätzte man ihr Alter. Leider wesentlich höher als sie eigentlich war. Heute weiß ich, dass sie in etwa 2005 statt 2002 geboren wurde und das macht durchaus etwas aus.

Damals dachte ich auch, dass ein älterer Hund wesentlich schneller und häufiger wegen Alterserscheinungen beim Tierarzt vorstellig werden muss. Ebenso ein Trugschluss. Dafür gibt es keine Regel. Ich kenne super gesunde alte Hunde und ebenso von Krankheit geplagte Junghunde.

Ebenfalls war ich der Meinung, dass man einen alten Hund gar nicht mehr so richtig „erziehen“ und ihn „formen“ könnte, wie es mit einem jungen Hund möglich ist. All das widerlegte meine Hündin in den letzten 8 Jahren. Sie ist heute ein Hund, der seelenruhig und entspannt in der Sonne liegt und gut mit anderen Hunden klar kommt. Sie orientiert sich an uns (ihrem Rudel), hat ihren Platz und ihre „Aufgaben“ (aufpassen 🙂 ) gefunden. Damals im Tierheim war sie ein Hund der „für sich“ lebte. Sie ignorierte alles und jeden, freute sich zwar auf Gassirunden, konnte andere Hunde aber absolut nicht ausstehen. An einen Zweithund war damals absolut nicht zu denken.

Ein weiteres „Argument“ war meine Angst, dass ich mich von einem alten Hund viel schneller wieder verabschieden müsste. Wie weh das tut, hatte ich in Gedanken an meine erste Hündin noch ziemlich gut vor Augen. Und den Schmerz wollte ich mit einem jungen Hund möglichst weit hinaus zögern. Ebenso ein Trugschluss und noch dazu ein ziemlich egoistischer Grund.

Was spricht für einen alten Hund aus dem Tierheim?

Aus meiner heutigen Sicht: so ziemlich alles. Mit der Geschichte meiner Hündin und mir möchte ich dir zeigen, dass viele der ersten Bedenken völlig unnötig sind und sich so viel noch verändern kann, wenn man zu einem sich vertrauenden Team wird.

Alte Hunde, das sind Hunde, die oft schon einen ganzen Streifen miterlebt haben. Sie wurden vielleicht wegen Überforderung oder sich verändernden Lebensverhältnissen abgegeben. Sie wurden manchmal geliebt, manchmal geschlagen und misshandelt. Einige können schon ganz viel, sie sind stubenrein, machen am Bordstein Halt und wissen auch was „Sitz“ bedeutet.

Nur weil sie alt sind, sind sie keine schlechteren Hunde. Sie sind nicht anstrengender oder kostspieliger als jeder andere Hund auch.

Vielleicht muss man an der ein oder anderen Stelle einfach nur statt einer Welpenausstattung eben eine Hunderampe kaufen (solche Hundeeinstiegshilfen gibt es hier bei hunderampe24.de ). Vielleicht braucht man statt der Welpenmatte, eben irgendwann eine Inkontinenzmatte für den Hund. So What?

Es ist ein herrliches Gefühl, einem alten Hund ein liebevolles neues Zuhause geben zu können. Und es ist ein noch viel schöneres Gefühl, wenn der alte Hund das auch gern annimmt, sich wohl und entspannt fühlt und man allmählich zu einem eingeschworenen Rudel wird.

Insofern möchte ich jedem Mut machen, der darüber nachdenkt, einen alten Hund aus dem Tierheim zu adoptieren: Tu es! Du wirst dich glücklich schätzen, wenn du es getan hast ! 🙂

 

Warum viel öfter alte Hunde aus dem Tierheim adoptiert werden sollten
Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.